Techniker starten in textile Zukunft

01.08.17

Quelle: Helmut Engel, FP. 1.8.2017

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Vier Absolventen der Textilfachschule in Münchberg haben Preise und Auszeichnungen abgeräumt. Unser Bild zeigt (von links): Dr. Christian Heinrich Sandler, Präsident des Verbandes der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie, die gekürten Textiltechniker Martin Zeitler aus Helmbrechts, Johannes Reif aus Marktrodach, Matthias Billenstein aus Burgbernheim und Gerrit Berends aus Rhauderfehn sowie Schulleiterin Monika Nestvogel. Fotos: H.E.

 

Münchberg - Sehr erfolgreich haben die Textiltechniker an der Textilfachschule und die Absolventen der beruflichen Erstausbildung an der Textilberufsschule abgeschlossen. Die Besten wurden mit Geld-, Meister- und Buchpreisen ausgezeichnet.
Schulleiterin Monika Nestvogel machte sich in ihrer Ansprache Gedanken, wie deren Beruf in Zukunft aussehen wird. So stelle sich die Frage, ob berufliches Fachwissen, persönliche Reife und Sozialkompetenz ausreichten, um den Anforderungen gewachsen zu sein. Die Arbeitswelt verändere sich ständig, die Digitalisierung schreite immer schneller voran. Eine Untersuchung habe ergeben, dass bei Fachkräfteberufen über 45 Prozent der Arbeit von Maschinen, Automaten und Robotern übernommen werden könnte. "Bedeutet dies, dass Sie arbeitslos werden?", fragte sie. Dies habe man bereits im 19. Jahrhundert angenommen beim Weberaufstand. Zwar seien Berufe verschwunden, aber: "Arbeitslos wurden immer nur diejenigen, die sich der Modernisierung entgegengestellt haben. Fachkräfte werden auch in Zukunft benötigt. Sie sind diejenigen, die die Innovationen vorantreiben, die Tüftler, welche die Textilien in allen Bereichen des Lebens weiterentwickeln", sagte die Schulleiterin. Vermutlich würden Textilien immer mehr mit digitalen Geräten verschmelzen. "Smart textiles" könnten individuelle Gesundheitsdaten überwachen und an Ärzte und Krankenkassen melden; Teppiche könnten das Bewegungsmuster in der Wohnung überwachen. "Vielleicht benötigen wir irgendwann keine Klimaanlage mehr, weil textiles Dämmmaterial Energie speichern und Temperaturen konstant halten kann", erklärte Nestvogel. Neue Möglichkeiten brächten aber auch neue Gefahren: "Programme denken nicht über ethische Grundsätze nach." Schon heute würden individuelle Produkte industriell hergestellt. Adidas biete dies schon an: "Während der Dauer eines Einkaufsbummels bekommt der Kunde seinen individuellen Pullover gestrickt. Was für fantastische Möglichkeiten bieten sich durch eine solche Innovation", sagte die Schulleiterin. Die Händler könnten kurzfristig auf Trends reagieren, Überproduktionen würden vermieden. Deshalb konnte Nestvogel die Absolventen beruhigen: "Ihre Fachkompetenz wird auch in Zukunft benötigt."
Für den Präsidenten des Verbandes der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie, Dr. Christian Heinrich Sandler, haben die Absolventen den ersten Schritt ihrer beruflichen Karriere geschafft. Hätte man die Aussagen der Schulleiterin über den digitalen Fortschritt in der Textilindustrie vor zehn Jahren gesagt, wäre man als Spinner und Utopist abgetan worden, ist sich der Unternehmer sicher. Aufgrund der rasanten Veränderungen könne er den Absolventen nur das Stichwort vom lebenslangen Lernen zuwerfen. Er empfahl, schnell an Weiterbildung zu denken. "Bildung und Weiterbildung sind die Schlüsselthemen für die Zukunft des Landes und im Besonderen der Textilindustrie, die viele neue Produkte und Einsatzgebiete für Textilien entwickelt hat", erklärte Sandler und fügte an: "Die Zukunft ist textil!" Bayern und besonders Oberfranken seien ein "Cluster" für die moderne Textilindustrie. "In Oberfranken sind wir Spitzenklasse! Hier entwickeln und produzieren bedeutende Textil- und Bekleidungsunternehmen." Auf der "Texprozess" in Frankfurt sei eindrucksvoll demonstriert worden, dass die Interaktion zwischen Mensch und Maschine und auch zwischen Maschine und Maschine eine neue Dimension erreicht habe, fuhr Sandler fort. "Die neue Technik wird aber nur den Fachkräftemangel kompensieren. Um diesem Fachkräftemangel zu begegnen, muss verstärkt in Technik investiert werden." Dadurch würden die Qualifikationsanforderungen an Mitarbeiter und die Textilbranche weiter steigen - zumal die Textilindustrie eine "Wachstumsbranche mit Zukunft" sei. "Die personifizierte Anpassung an den Kunden kann nicht mehr in China oder ganz Ostasien erfolgen. Das bedeutet auch, dass Kleidung und Schuhe nicht mehr an Zalando zurückgeschickt werden müssen."
Für Landrat Dr. Oliver Bär sind Fleiß, Motivation und Leistung Grundlage für die hervorragenden Abschlüsse der Absolventen. Für die Weiterentwicklung im Landkreis Hof seien die vielen Unternehmen, "die uns stolz machen", wichtig. So seien unter "Bayerns Best 50", die diese Woche gekürt wurden, fünf Unternehmen aus dem Landkreis Hof. Er freue sich, dass die neue Textilindustrie bei uns so gut aufgestellt ist. "Bleiben Sie bei uns hier in der Region, Sie würden gut zu uns passen", rief Bär den Absolventen zu.

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